Busfahrer in Guatemala sind ein Ziel von Erpressern (hier ein Bus in Mexiko) © TONO BALAGUER SL

Busfahrer in Guatemala sind ein Ziel von Erpressern (hier ein Bus in Mexiko) © TONO BALAGUER SL

Guatemala City (Guatemala) – Busfahrer ist womöglich der tödlichste Beruf im mittelamerikanischen Staat Guatemala. 917 Busfahrer seien seit 2004 umgebracht worden, berichtet das lateinamerikanische Nachrichtenportal Infosurhoy. Die Täter: Erpresser, die die Männer mit Gewalt bedrohen, wenn sie nicht das Fahrgeld herausrücken.

Teilweise müssten die Busfahrer dreimal in der Woche Geld bezahlen, um unbehelligt weiterfahren zu können. Laut Infosurhoy müssten einige Besitzer von Bus/Unternehmen bis zu 70.000 Quetzales (6600 Euro) bezahlen, um Schutz vor den Banden in Guatemala zu finden – pro Woche!

Ein Busfahrer beschreibt die Situation so: “Das Geld, das wir verdienen, hängt von der Zahl der Passagiere ab. Wenn wir dann noch Lösegeld bezahlen müssen, verdienen wir nur noch 40 Quetzales am Tag. Und wir müssen noch unseren Assistenten bezahlen”, berichtet Carlos Rosales, der den Job des Busfahrer seit 26 Jahren ausübt.

Bis zu fünf Morde am Tag

Die schlimmsten Zeiten seien in Guatemala vorbei, berichtet das Nachrichtenportal: Zwischen 2006 und 2009 seien teilweise fünf Busfahrer am Tag umgebracht worden. Die unmittelbaren Verbesserungen: Die Busfahrer gründeten eine Gewerkschaft, die die Hinterbliebenen ermordeter Fahrer unterstützt. Diese konnte auch bei der Regierung durchsetzen, dass diese eine Rente an Hinterbliebenen bezahlt.

Zudem ist die Polizei nun verstärkt hinter den Banden hinterher: In diesem Jahr alleine seien bereits 410 Erpresser verhaftet worden, im gesamten Jahr 2012 waren es 449. Zudem seien mehrere Banden zerschlagen worden, die oft von Gangstern hinter Gittern geführt würden.

Es gab aber auch eine ganz einfache Methode, um die Zahl der Toten zu verringern. Viele Passagiere besitzen nun Prepaid-Karten, mit denen sie Fahrten bezahlen. Dadurch haben Busfahrer weniger Bargeld an Bord und sind ein weniger lohnendes Ziel. Aber nicht alle Busse in Guatemala City sind mit dem System ausgestattet – die Morde gehen weiter.

Auch wenn Busfahrer heute nicht mehr unbedingt der tödlichste Beruf Guatemalas sein mag.

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